Es ist einfach zum Kotzen

In eigener Sache
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In eigener Sache

Es ist einfach zum Kotzen

Sorry, zu diesem Thema fällt mir keine passendere Überschrift ein als diese.

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob man so ein Thema überhaupt posten sollte. Und falls ja, wie sollte der Ton sein? Emotional? Nüchtern? Sachlich? Aufreißerisch? Oder einfach nur schreiben und nicht zu lange über den richtigen Ton nachdenken? Ich glaub, ich nehme letzteres.

Wenn Sie sofort zum „kotzigen“ Teil gelangen möchten, dann bitte hier entlang. Ich muss nämlich vorher etwas ausholen.

Webdesign. Ein Wort. Ein Wort englischen Ursprungs. Die Bedeutung des Wortes, zumindest die Umgangssprachliche, nicht eindeutig klar. Nur das Design einer Webseite? Oder auch Ideenentwicklung? Konzeption? Oder sogar die Umsetzung? Wer soll das schon definieren können. 

Die Webdesign-Branche. Alles vertreten. Profis und Hobbybastler. Agenturen und Einzelkämpfer. Von der Pike auf und Quereinsteiger. Büro und Homeoffice. Alles Punkte, die nicht zwangsläufig etwas über die Qualität des Endproduktes aussagen müssen. 

Wie positioniert man sich nun in so einer bunten Branche? Wie schafft man es sich abzusetzen oder sich zumindest von den anderen zu unterscheiden? Wen auch nur etwas? Vielleicht über besonders schönes Webdesign? Vielleicht über den Preis? Vielleicht über die Umsetzung?

Das Webdesign. Schönes Webdesign gibt es für ein Appel und ein Ei beim nächsten Templatehändler des Vertrauens. Für WordPress, für Joomla!, für TYPO3, für 1000 andere Systeme. Aufwand für eine Templateeinrichtung: max. 30 Minuten. Kosten: meist unter 50 Euro. 

Passt aber das Webdesign des Templates und alles was an Funktionen dranhängt dem Konzept des Kunden? Im Idealfall ja. Super. Günstiges Template, günstige Umsetzung (hoffentlich). Alle sind glücklich. Was aber wenn es nicht passt? Dann passen wir das Konzept des Kunden an das Template an. Geht ganz einfach. Man muss dem Kunden nur für dumm verkaufen. Aber nicht zu viel das er es merken könnte. Nur so viel, wie es für das Template notwendig ist: 

Extrawünsche? Brauchen Sie nicht, zu teuer, können Sie eh nicht bezahlen!

Kann man dieses und jenes hier komplett umstellen? Nein, wir sind die Profis und wissen alles besser als Sie!

Was ist mit späteren Änderungen an der Seite? Nur die Texte. Und vielleicht ein paar Farben. Alles andere ist auf Stein gemeißelt!

Kann es vielleicht sein, dass nur Sie das nicht umsetzen können? Natürlich nicht, alle anderen sind doof und wir sind die Besten! Und wir wissen besser als Sie, was Sie brauchen. Denn Sie sind auch doof!

Webdesign als Unterscheidungsmerkmal: bei so einem Wettbewerb -> keine Chance.

Der Preis. Webdesigner A bietet die Umsetzung für ein Projekt X für 1000 Euro an. Webdesigner B macht es für 800 Euro, denn in Bezug auf Qualität oder Service kann er mit A nicht mithalten. Nicht schlimm eigentlich, B hat vielleicht eine andere Kostenstruktur, so dass es wirtschaftlich tragbar wäre. Webdesigner C aber geht an die Schmerzgrenze und macht ein Angebot für 500 Euro. Denn keiner wird so dumm sein und diesen Preis unterbieten. So zumindest wird C denken. Doch dann taucht D auf. Der kriegt das gleiche Projekt für 200 Euro umgesetzt (oder auch nicht). HTML und CSS Grundkenntnisse vorhanden? Nö, braucht man ja auch nicht. Die gekauften Templates haben so viele schöne bunte Einstellknöpfe. Und falls der Kunde mal einen Extrawunsch hat? Siehe Absatz oben…

Und was macht Webdesigner p? Der hält sich bei dieser selbstmörderischen Preisspirale lieber komplett raus.

Preis als Unterscheidungsmerkmal: nur für die geeignet, die sonst nichts anderes bieten können. 

Die Umsetzung. Jetzt wird es spannend. Denn mit der Umsetzung wird man sich doch von der Masse abheben können, wenn man sein Handwerk gut beherrscht oder? Nicht immer. Auch dafür gibt es genug fertige Lösungen. Hauptsache der Schein stimmt. Nachhaltige und vor allem professionelle Umsetzung? Unwichtig.

Umsetzung als Unterscheidungsmerkmal: Qualität der Umsetzung für den Laien kaum einsehbar.

All diese Sachen gingen mir durch den Kopf, als es darum ging, die Webpräsenz von pixelkultur umzusetzen. Was also tun?

An erster Stelle: Referenzen zeigen. Am besten schön verpackt und mit etwas Witz vorgestellt. Alles kein Problem. So viel Kreativität ist noch drin. 

Wie sieht es aus mit dem Webdesign der eigenen Seite? Auf gar keinen Fall ein gekauftes Template! Das wäre nämlich alles andere als authentisch für ein Unternehmen, welches ja explizit individuelles Webdesign verkauft. Ein schönes Webdesign kriegen wir auch ohne fremdes Template umgesetzt.

Doch kann man mit Referenzen und einem schönen Webdesign sich von der Masse abheben? Eher nicht. Die meisten Mitbewerber haben gute Referenzen und schöne eigene Webseiten. Egal ob das Webdesign selbst erstellt oder gekauft ist. Der Kunde sieht das nicht. Muss er auch nicht. 

Was bleibt dann übrig? Yep, die Botschaft. Und wie man diese verpackt. 

Bloß sich nicht zu ernst nehmen. Das war mein Ausgangspunkt bei der Erstellung der Webtexte auf pixelkultur.net. Auf abgedroschene Phrasen a la „Wir sind erfahren…“ „Wir sind zuverlässig…“ „der Kunde steht an erster Stelle“ verzichten und einfach authentisch bleiben. 

Trotzdem muss man aber sein Leistungskatalog irgendwie professionell präsentieren. Am besten kurz, prägnant und auf dem Punkt gebracht. Und zur Verpackung nimmt man ein paar schöne Icons. So weit, so unspektakulär.

Blankes Entsetzen beschreibt wahrscheinlich am besten meine Gefühlslage, als ich die Leistungsseite von pixelkultur (zu finden unter Webdesign & mehr) verdächtig ähnlich auf der Webseite eines regionalen Mitkonkurrenten wieder gefunden habe.

Was heißt aber „verdächtig ähnlich“? Leistungsangebot, Leistungsbeschreibung und Icons sehr ähnlich auf dem ersten Blick. Heißt aber erst mal nichts, könnte man sich denken. Gleiche Branche, ähnliche Leistungen. Und auf Icons hat pixelkultur bestimmt kein Patentrecht. Das da Ähnlichkeiten auftauchen und bestimmte Web-Trends bei mehreren Wettbewerbern wiederzufinden sind, ist wohl nichts außergewöhnliches.

Doch nach dem genauen Durchlesen der Texte wich das blanke Entsetzen dem blanken Horror. Aussagen fast identisch, nur etwas anders formuliert. Teilweise komplette Eins-zu-Eins Übernahme von Sätzen. Und last but not least: Die fast exakten Aufzählungen bei den einzelnen Leistungen. Ach so, die Bezeichnung „Webdesign & mehr“ für die Navigation bzw. Unterseite wurde auch übernommen. Einfach Leerzeichen weglassen und schon passt es…

Na und? Ist das jetzt wirklich so schlimm das man sich so sehr darüber aufregen muss? Vielleicht kann ich es ja auch als Ritterschlag sehen, wenn schon die Konkurrenz sich von pixelkultur „inspirieren“ lässt. Und vergrault so ein „rumgehäule“ in einem Blogpost nicht eher die potentielle Kundschaft?

So einfach ist das nicht. Denn wenn ein potentieller Kunde sich beide Webseiten anschaut, z.B. weil er für ein Projekt auf der Suche nach einer Webagentur ist, wird ihm die „Ähnlichkeit“ sofort ins Auge springen. Dann heißt es: Irgendwer hat von irgendwem hier abgeguckt. Falls dieser Kunde jetzt aus irgendeinem Grund denken sollte, pixelkultur hat sich von der Konkurrenz bedient, werde ich diesen Kunden mit Sicherheit nie im Leben sehen, geschweige denn von seiner Existenz jemals etwas wissen.

An einem allgemeinen Imageschaden möchte ich gar nicht erst denken: Seht her, der pixel-dingsbums Laden erzählt was von individuellem Webdesign und kann noch nicht mal seine eigenen Texte schreiben!

Mit stört es nicht, dass dieser Konkurrent noch nicht mal seine eigene Webseite selber umgesetzt hat, sondern ein fremdes Kauftemplate mit ein paar optischen Veränderungen einsetzt. 

Mich stört es nicht, dass dieser Konkurrent dieses eine Template in verschiedenen Variationen bei seinen Kundenprojekten einsetzt. (Vielleicht ist es ja so abgemacht)

Mich stört es nicht, dass dieser Konkurrent Mitbewerber von pixelkultur ist, denn bis vor kurzem habe ich seine Existenz nur nebenbei wahrgenommen, weil er mich nicht interessiert hat. 

Was mich aber wirklich stört ist die Tatsache, dass dieser Konkurrent mit Konzept- und Texterstellung, ja sogar „Individualität“ der angebotenen Leistungen großspurig Werbung macht, aber trotzdem für die eigene Leistungsbeschreibung sich bei einem Mitkonkurrenten bedienen muss. Ohne zu fragen. Einfach so. Etwas mehr Kreativität, Phantasie und Authentizität, ist das wirklich so schwer?

Unabhängig davon ob das Verhalten des Konkurrenten rechtlich ok ist oder nicht. Und unabhängig  davon, wie ethisch oder unethisch so ein Verhalten ist. Was mich einfach brennend interessiert ist folgende Situation: Was wird dieser Konkurrent in allen Gottes Namen denn nun sagen, wenn ein Kunde ihm darauf aufmerksam machen sollte? Wenn der Kunde z.B. sagt „hey, das kenne ich doch, das habe ich doch bei Ihrer Konkurrenz schon mal gesehen“? Sagen, dass pixelkultur abgeguckt hat?

Es gibt in der Webdesign Branche leider viel zu viele solcher Beispiele: Sich von Anderen zu unterscheiden, in dem man etwas vorgibt, was man nicht ist. Etwas mehr vormachen als die Anderen. Zur Not kann man immer noch den Preis drücken. Egal wie wirtschaftlich sinnvoll oder nicht…

Sorry für das auskotzen, doch manchmal ist man halt auch nur Mensch und nicht nur ein Name im Impressum. 

Zurück zur Arbeit…

12. August, 2015, Necati Papakci
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