Alles nur gekauft?

Webdesign
Eigenes Webdesign oder Template?
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Alles nur gekauft?

Heute möchte ich gerne ein etwas kontroverses Thema aus der Webdesign-Branche ansprechen: Gekaufte Vorlagen bzw. Templates bei Kundenprojekten.

Eine Webseite besteht in der Regel aus Inhalten (z.B. Texte, Bilder, Videos), aus Funktionen (z.B. Kontaktformular, Slideshow) und aus der Gestaltung.

Die Inhalte und die Funktionen leiten sich aus den Bedürfnissen des Kunden ab, der die Webseite in Auftrag gibt. Die Präsentation des Unternehmens und Leistungen gehören meistens zum Standardrepertoire einer Webseite. Hinzu kommen dann je nach Zielsetzung bestimmte Funktionen, z.B. ein Kontakt- oder Anfrageformular, eine Suchfunktion, eine Kommentarfunktion, Social Media Anbindung usw.

Das Design und damit die gestalterische Verpackung dieser Inhalte und Funktionen ist das Webdesign. Hat der Kunde einen Unternehmensauftritt (Corporate Design) und somit bestimmte Vorgaben an das Design, so leitet sich das Webdesign logischerweise aus diesen Vorgaben ab. Die Aufgabe für den Webdesigner besteht dann darin, die Webseite des Kunden in Einklang mit seinem Logo, der Visitenkarte, der Geschäftspapiere, der Unternehmensfarben usw. zu bringen.

Zielgruppe ansprechen

Allerdings reicht es nicht aus, nur das Corporate Design des Unternehmens auf der Webseite abzubilden. Die Zielsetzung bzw. die Zielgruppe der Webseite muss beim Webdesign ebenfalls beachtet werden. Ohne sich von der Designvorgaben des Unternehmensauftritts zu sehr zu entfernen, muss sich das Webdesign an die Zielgruppe richten, also an die Bedürfnisse und Interessen der Besucher der Webseite, die man ansprechen will. Persönliche Vorlieben des Kunden oder gar des Webdesigners sollten bei der Designerstellung keine Rolle spielen.

Zugegeben, die genaue Definition einer oder mehrerer Zielgruppen (wen möchten wir eigentlich mit der Webseite erreichen?) ist nicht immer leicht. Jedoch ist für den Erfolg einer Webseite die Identifikation der Zielgruppe sowie die daraus abgeleitete Zielsetzung fundamental. Die Zielsetzung zieht sich wie ein roter Faden über das gesamte Projekt hin. Es betrifft nicht nur die Inhalte und Funktionen der Webseite, sondern eben auch das Webdesign.

Was sind denn nun Templates? Und was hat das Alles damit zu tun?

Einfach gesagt sind Templates Gestaltungsvorlagen, d.h. es sind Schablonen, in denen das gesamte Design einer Webseite schon erstellt und vorgegeben ist. Sehr beliebt sind Templates bei Content Management Systemen (CMS) wie z.B. Joomla!, WordPress oder TYPO3. Man braucht nur eine (kostenlose) Installation eines dieser CMS (gemacht in 5-20 Minuten), ein schönes Templates aufziehen und fertig ist die Webseite, die nur noch mit Inhalten gefüllt werden muss. Meist gibt es Templates für wenig Geld legal zu kaufen. Zumeist für eine Summe von 30 bis 80 Euro.

Eines Vorweg: Es gibt Templates, die sind wirklich gut gemacht. Was zumindest das Optische angeht. Das sage ich als Webdesigner wirklich ohne Neid oder Sarkasmus! Ein Problem sehe ich eher an anderer Stelle.

Wenn man sich für ein fertiges Template entscheidet, so entscheidet man sich auch immer für bestimmte „Designgrenzen“. Da das Template das Design vorgibt, gibt es kaum eine Möglichkeit, ein individuelles und auf das Unternehmen und die Zielgruppe maßgeschneidertes Webdesign in die Webseite zu integrieren, ohne weitergehende Veränderungen am Template vorzunehmen.

Zugegeben, man hat zwar bei gut umgesetzten Templates im Hintergrund einige Einstellungsmöglichkeiten wie z.B. Farben oder Schriften. Trotzdem ist man in der Vorgabe mehr oder weniger gefangen.

Der Aufwand für tiefergehende Änderungen an einem Template (z.B. Anordnung der Elemente) ist meist fast so hoch, wie die Erstellung und Umsetzung eines eigenen Designs. Denn man muss die Vorgaben und den Code eines fremden Designers verstehen und Änderungen durchführen, die wiederum andere (unvorhersehbare) Änderungen mit sich ziehen können. 5000 Zeilen Code allein für das Design einer Webseite sind keine Seltenheit.

Sicherheit? Egal, hauptsache es sieht schön aus!

Neben dem Design gibt es allerdings einen anderen Aspekt, welches viel schwerer wiegen kann. Templates geben meistens nicht nur das Design und dessen Umsetzung vor, sondern kommen auch mit bestimmten Erweiterungen, Modulen oder Plugins daher, die das Webdesign verlassen und die Webprogrammierung berühren. Das können Slideshows, Bildergalerien, Produktkarousselle oder Kontaktformulare sein.

So wurde vor kurzem bekannt, dass das Plugin „Slider Revolution“ eine kritische Sicherheitslücke aufweist. Dieses Plugin, eine Slideshow für Bilder, ist sehr beliebt bei WordPress Templates. Auch wenn die Entwickler des Plugins sehr schnell reagiert und ein Update zur Verfügung gestellt haben, kann man davon ausgehen, dass bei vielen eingesetzten WordPress Templates diese Lücke immer noch schlummert, weil das notwendige Update nicht durchgeführt wurde bzw. das Template Sicherheitsupdates gar nicht vorsieht.

Mehr Schein als Sein

So schön ein gekauftes Template auch sein mag, so wenig sagt das Design etwas über die Codequalität im Hintergrund. Kein Witz: Ich habe einmal ein Template gesehen, bei dem auf der Startseite 40! JavaScript Dateien geladen wurden. In Worten: VIERZIG! Da ist natürlich der blanke Horror. Unabhängig davon, dass das aus Sicht von Suchmaschinenoptimierung wegen der extrem hohen Ladezeit der Webseite ein No-Go ist, bedeuten 40 (kaum zu glauben) JavaScript Dateien eine schööön breite Angriffsfläche für Hacker.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf dieser Welt (oder sonst wo) ein Web-Projekt gibt, welches 40 einzelne JS-Dateien rechtfertigen würde. Entweder hat man als Webdesigner beim Konzept des Projektes völlig versagt oder, was eher der Fall sein dürfte, auf die schnelle ein Template aufgesetzt und sich um nichts anderes gekümmert, als nur hier und dort ein paar Farben anzupassen. Solch ein inflationärer Einsatz von Skript-Dateien ist einfach grob fahrlässig.

Ach so, das Template an sich war auf jeden Fall schön anzusehen. Wenn die Startseite natürlich erst mal geladen war. So nach 7-8 Sekunden. Bei einem V-DSL Anschluss. 50000er Leitung. Wohlgemerkt...

Webdesign by ... someone else

Egal ob professionelle Webdesigner oder Hobby-Webdesigner. Hat man ein Projekt umgesetzt, so möchte man sich gerne irgendwo auf der Webseite als Urheber des Projektes verewigen. Meist ist das ganz unten im Footer- oder Copyrightbereich auf der Webseite und zusätzlich im Impressum. Für professionelle Webdesigner bedeutet die Nennung (z.B. „Webdesign by XY“ oder „Umgesetzt von XY“) aber auch, für sich zu werben. Hat man ein Super-Duper Webdesign umgesetzt, spricht ja nichts dagegen, damit etwas anzugeben.

Was aber meiner Meinung nach nicht sein kann, ist sich mit fremden Federn zu schmücken. Wenn das Design einer Webseite eindeutig auf ein gekauftes Template zurück geht, so sollte man dazu auch stehen und nicht vorgeben, es wäre das eigene Design, indem man seinen eigenen Namen als Urheber des Webdesigns angibt.

BRANCHENSCHOCK: Webdesigner kauft für seine eigene Webseite ein Template!

Ich gebe zu, die Überschrift ist ziemlich aufreißerisch. Doch es betrifft eine Unsitte in der Webdesign-Branche, die ich nicht wirklich tolerieren kann. Es geht darum, dass einige Mitkonkurrenten für ihre eigene Webseite fertige Templates kaufen und so auf dem Markt auftreten. Sie geben damit vor, besonders gute Webdesigners zu sein, verschweigen aber natürlich, dass das Design der eigenen Webseite von einem fremden Webdesigner stammt.

Es wäre ja kein Problem, wenn man als (reiner) Webentwickler, Suchmaschinenoptimierer oder Printdesigner auftritt und für das Webdesign eben auf ein fremdes Template bzw. Webdesign zugreift. Aber schimpft man sich schon als Webdesigner und wirbt auch damit großflächig, dass man ganz schöne Webseiten erstellen kann, so sollte doch bitte wenigstens die eigene Webpräsenz von der eigenen Feder stammen.

Fazit

Ich möchte niemanden schlecht machen und schon gar nicht Kauftemplates schlechter reden, als sie sind. Im Gegenteil, gekaufte Templates haben auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung. Es gibt wirklich wunderschöne Templates, die mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erstellt sind. Wenn das Budget sehr knapp ist, spricht nichts dagegen, für das Design ein vorgefertigtes Template zu kaufen.

Auch ist es okay, im Kundenauftrag als Webdesigner ein gekauftes (fremdes) Template einzusetzen (PS: bei pixelkultur gibt es aus Prinzip keine gekauften Templates, weder bei Kundenprojekten, noch bei der eigenen Webseite). So lange man aber offen und ehrlich mit dem Kunden umgeht und das fremde Design auch als solches angibt. Mit allen Vor- und insbesondere Nachteilen für der Kunden. Ein gekauftes Design bzw. Template sollte sich aber auch in einem wirklich günstigen Projekt-Preis für den Kunden widerspiegeln, da der Kostenfaktor „Webdesign“ für den Webseitenmacher ja fast komplett entfällt. Schließlich ist so ein Template für meist 50 Euro in zwei Minuten gekauft und in fünf Minuten aufgesetzt.

Ein absolutes No-Go ist es allerdings, wenn man als professioneller Webdesigner bzw. Webentwickler Templates fahrlässig einsetzt. Mit der Installation eines (kostenlosen) Content Management Systems und eines Templates ist meiner Meinung nach die Arbeit eines Webdesigners nicht getan. Ist der Code des Templates sauber? Wird das Template mit Updates versorgt? Wie ist es mit der Performance? Was ist wenn der Kunde später tiefergreifendere Veränderungen haben will, als nur Farben zu ändern? Ist das Template suchmaschinenfreundlich? Welche Browser werden unterstützt? Braucht der Kunde wirklich jeden „Schnickschnack“ des Templates oder kann man (und sollte man) getrost auf unnötige Funktionen verzichten? Ein Content Management System, welches nicht regelmäßig gewartet wird, stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Wie ist generell die Wartung der Webseite und des Templates mit dem Kunden geregelt?

Vor allem der letzte Punkt, die regelmäßige Wartung eines CMS, ist ein Thema für sich. Dieses werde ich in einem späteren Blogeintrag in Angriff nehmen, da hier oft viel Unsicherheit beim Kunden herrscht.

Last but not least: Wenn man als Webdesigner am Markt auftritt, so sollte man doch wenigstens die eigene Webseite selbst gestalten und umsetzen. Oder bin ich zu streng?

Vorteile von Templates:

  • Günstiger Preis
  • Einfache Installation und damit schnelles Erfolgserlebnis
  • Große Auswahl an Kauf - und Freetemplates

Nachteile von Templates:

  • Wenig Individualisierungsmöglichkeiten
  • Zum Teil sehr schlechte Codequalität (für den Laien kaum sichtbar)
  • Sicherheitsprobleme bei schlechter Umsetzung
  • Keine Exklusivität: Das gleiche Template kann unbegrenzt auch an andere verkauft werden
  • Nicht geeignet für Suchmaschinenoptimierung
  • Weitergehende Anpassungen mit sehr viel Aufwand und Kosten verbunden

 

11. April, 2015, Necati Papakci
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